Franz-Kafka-Museum
Prag
Rätselhafte Bronzeskulptur in Josefov – Kafka reitend auf einem kopflosen Riesen, 2003
In einer engen Gasse im Prager Stadtteil Josefov, dem einstigen jüdischen Ghetto, steht seit 2003 eines der ungewöhnlichsten Literaturdenkmäler Europas. Der tschechische Bildhauer Jaroslav Rona schuf eine Bronzeskulptur, die eine Szene aus Kafkas früher Erzählung „Beschreibung eines Kampfes" visualisiert: Eine überdimensionale kopflose Figur in einem Anzug – ein rätselha ftes, schwebend-bedrohliches Wesen – trägt auf ihren Schultern eine kleine sitzende Gestalt, die Franz Kafka selbst darstellt. Die Skulptur verweist auf Kafkas ambivalentes Verhältnis zu Prag, seiner Geburtsstadt: Er liebte und hasste sie zugleich, fühlte sich gefangen und getragen. Das Denkmal steht nahe der Spanischen Synagoge, im Herzen des Viertels, das Kafka in seinen Träumen und Albträumen bevölkerte. Heute ist es ein stiller, nachdenklich stimmender Anlaufpunkt im Touristenstrom des Viertels.
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